Urlaub

Berechnung der Dauer des Urlaubsanspruchs

Entgegen § 191 BGB, der 365 Kalendertage für ein Jahr zugrunde legt, geht das Bundesarbeitsgericht von 364 Kalendertagen (52 Wochen x 7 Kalendertage) und 312 Werktagen (52 Wochen x 6 Werktage) pro Jahr aus. Dies soll sich aus der Wertung des § 11 Abs. 1 BUrlG ergeben, da dieser für ein Vierteljahr 13 Wochen zugrunde legt.

Da der Gesetzgeber gleichzeitig von einer Werktagewoche ausgeht, die 6 Arbeitstage vorsieht, und 24 Werktage Mindesturlaubsanspruch gibt, erfolgt die Umrechnung jeweils durch Zugrundelegung eines einfachen Dreisatzes.

Für einen Arbeitnehmer, der lediglich eine Arbeitsverpflichtung von fünf Arbeitstagen in der Woche hat, ergibt sich bei Anwendung des Dreisatzes ein gesetzlicher Mindesturlaubsanspruch von 20 Arbeitstagen pro Jahr, im Ergebnis also vier Wochen Mindesturlaub, so wie auch der Gesetzgeber bezogen auf die 6-Tage-Woche einen Mindestanspruch von 24 Werktagen, somit ebenfalls vier Wochen regelt.

Bei einem Teilzeitarbeitnehmer in einer regelmäßigen 3-Tage-Arbeitswoche ergibt sich somit Folgendes:

...Berechnungsbeispiel


Diese Umrechnungsprobleme ergeben sich auch, wenn ein Tarifvertrag oder standardisierte Arbeitsverträge eine bestimmte, zumeist auf Vollzeitmitarbeiter bezogene regelmäßige Arbeitstageverpflichtung in der Woche zugrunde legen, der Arbeitnehmer allerdings in einem anderen Arbeitszeitmodell arbeitet.

Die gesetzlichen Umrechnungsregelungen sind dann, sofern spezielle Umrechnungsregelungen fehlen, auch auf die Tarifverträge oder standardisierten Arbeitsverträge anzuwenden.

Bei einer regelmäßig gleichmäßig auf die einzelnen Arbeitstage verteilten Arbeitszeit ist einfach auf die wöchentliche Verpflichtung in Arbeitstagen bei der Berechnung des Dreisatzes abzustellen.

Dieser Anspruch ist unabhängig davon, ob der Arbeitnehmer an jedem Tag nur vier Stunden Arbeitsverpflichtung oder acht Stunden Arbeitsverpflichtung hat. Der Urlaubsanspruch ist in Tagen und nicht in Stunden auszudrücken.

Erfolgt in Schichtmodellen oder aufgrund arbeitsvertraglicher Regelungen ein unregelmäßiger Rhythmus, z.B. abwechselnd 4-Tage- und 5-Tage-Rhythmus, so ist auf die Doppelwoche abzustellen:

...Berechnungsbeispiel

Bei einer Jahresarbeitszeit ist entsprechend bei der Berechnung auf den Jahreszeitraum abzustellen. Bei allen flexiblen Arbeitszeitmodellen, wie z.B. rollierenden Freizeitsystemen, die auf das Jahr unterschiedlich verteilt werden oder Jahresarbeitszeitkonten ist der Urlaubsanspruch dann im Vorhinein mathematisch berechenbar, wenn die Anzahl der Arbeitstage im Vorhinein feststeht.

...Berechnungsbeispiel für rollierendes Freizeitsystem
...Berechnungsbeispiel für Jahresarbeitszeitkonto

...BAG vom 05.11.2002 - 9 AZR 470/01 - vollkontinuierliches Schichtsystem


Problematischer sind solche Modelle, die nicht im Vorhinein bestimmt oder bestimmbar sind. Hier müssten im Nachhinein Referenzzeiträume gebildet werden, um aus Durchschnittswerten in der Vergangenheit auf zukünftige Einsatzzeiten zu schließen. Ggf. müssten Korrekturen vorgenommen werden, sofern die tatsächlichen Zeiten von der zugrunde gelegten Prognose abweichen.


zuletzt bearbeitet: 2008/Thomas Berger

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