Arbeits- und Gesundheitsschutz

6.    Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)

Was versteht man unter „menschengerechter Gestaltung der Arbeit“?

Nach Art. 6 Abs. 2b der Rahmenrichtlinie müssen die allgemeinen Grundsätze der Gefahrenverhütung den Faktor „Mensch“ bei der Arbeit berücksichtigen.

In der englischen Fassung der europäischen Richtlinie wurde die Grundpflicht wie folgt formuliert:

"adapting the work to the individual"

Gleichlautend in der französischen Fassung:

"adapter le travail à l'homme"


Die Arbeit an das Individuum, an den Menschen anpassen.
Eine einfachere und geradliniger formulierte Forderung des Arbeitsschutzes als die deutsche Bezeichnung der menschengerechten Gestaltung der Arbeit.

Inhaltlich ist aber das gleiche gemeint:

Nicht der Arbeitnehmer in seiner Individualität muss sich an die Arbeit, sondern die Arbeit muss an die Individualität des Arbeitnehmers angepasst werden.
Diese Anpassung hat präventiv und gesundheitsbezogen zu erfolgen und die  Arbeitsbedingungen sind unter arbeitsphysiologischen und arbeitspsychologischen Gesichtspunkten zu gestalten. Die Anpassung schließt die Gestaltung der Arbeitsumgebung und/oder -organisation ein.

Im Kern geht es somit um die Anpassung der Arbeit an die physischen und psychischen Eigenschaften und Fähigkeiten des einzelnen Beschäftigten.

Der Begriff der menschengerechten Gestaltung der Arbeit weist auf ein ganzheitliches, nicht eng verstandenes Verständnis von Gesundheit hin, die auch die Förderung und Entfaltung der Persönlichkeit der Beschäftigten einbezieht. Dieses Verständnis steht im Einklang mit den Erkenntnissen der Arbeitswissenschaft.

Allerdings will ein Teil der Literatur nach Maßnahmen der menschengerechten Gestaltung der Arbeit differenzieren, die dem Gesundheitsschutz zugeordnet werden können und anderen, die reinen Humanisierungsaspekt ohne gesundheitlichen Bezug haben. Dazwischen soll es eine Schnittmenge, eine "nicht ganz schmale Zone von Regelungen oder Maßnahmen", geben, die sowohl der Humanisierung als auch dem Gesundheitsschutz zugeordnet werden können. Wo die Grenzlinie zu ziehen ist, bleibt unklar und ist nach dem hier vertretenen ganzheitlichen Gesundheitsverständnis zweifelhaft. Eine nicht dem Menschen angepasste Arbeit wird immer krankmachende Tendenzen aufweisen bzw. einem Zustand vollständiger Zufriedenheit entgegenstehen.

An diese Differenzierung anknüpfend soll dann auch festgelegt werden, ob das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG zu beachten ist. Dies soll insoweit gelten, als dass Grundsätze der menschengerechten Gestaltung der Arbeit Gesundheitsbezug haben und anderen Maßnahmen lediglich die Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechte nach §§ 90, 91 BetrVG auslösen.

Nach dem klaren Wortlaut des § 2 ArbSchG erfasst ist aber, dass jedenfalls der gesundheitsnahe Bereich der menschengerechten Gestaltung der Arbeit den Maßnahmen des Arbeitsschutzes zuzurechnen ist.

zuletzt bearbeitet: 16.02.2010/Rechtsanwalt Thomas Berger (Fachanwalt für Arbeitsrecht)


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